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Haare ab als Akt der Selbstermächtigung und Befreiung


Ich berichte hier gerne in regelmäßigen Abständen von meinem persönlichen Weg zu mehr Achtsamkeit. Dies soll Dir bewusst machen, dass auch ich mich stetig weiterentwickle und mich schrittweise von meinen Prägungen und Konditionierungen befreie.

Rückschau: Vor ca. 3 Wochen ließ ich mir von meinem Mann die Haare abrasieren. Einige Leute durften das über meine Instagram Story erfahren. Es gab viele Beweggründe, diese Entscheidung zu treffen und letztendlich durchzuführen (die Vollmondin im September gab mir den letzten liebevollen Schubser).


Rückblickend war der ausschlaggebende Grund eine innere Befreiung, da ich im Außen eingegrenzt werde. Je handlungsunfähiger ich im Außen gemacht werde, um so größer ist mein Drang mich von blockierenden Dingen/Ansichten zu befreien und diese loszulassen (this is called "doing the inner work").


Meine persönliche Haargeschichte: Meine Haare sind für mich mein ganzes Leben lang ein großes Thema gewesen.

Ich war eines der ersten Kinder in Tübingen mit afroamerikanischen & deutschen Wurzeln und meine Haare waren ein Ausdruck meiner Andersartigkeit. Mein Haar entsprach früher absolut nicht meinen Vorstellungen, außerdem kam ich mit der Pflege nicht zurecht. Das lag primär daran, dass es bis vor ca. 15 Jahren in Deutschland keine natürlichen Haarpflegeprodukte gab. In dieser Zeit glättete ich mir meine Mähne eine Zeit lang sogar chemisch und schadete damit nicht nur meiner Kopfhaut, sondern meinem ganzen Körper (ich verletzte mich somit auch auf allen anderen Ebenen mental, emotional, etc.). 2010 machte ich mich mit einem Onlineshop für natürliche Haarpflegeprodukte für krause Locken selbstständig, schnitt meine Haare auf 3 cm ab (machte den big chop) und begann meine natural hair journey.

In dieser Zeit habe ich meine Haarstruktur lieben gelernt, den Umgang damit optimiert und mein Haar gesund herauswachsen lassen.

In den letzten Tagen ist mir bewusst geworden, wie viel Drama und Trauma in meinem Haar gesteckt hat.

Ich liebe mein Haar mittlerweile sehr, aber das Ding ist, ich bin nicht mein Haar! Von dieser starken Identifizierung durfte ich mich jetzt lösen. Und deshalb dieses Experiment "Wer bin ich ohne meine Haare?" Bin ich weniger wert? Weniger attraktiv? Weniger Frau? Eben nicht! Aber das auf diesem SELBSTermächtigten Weg wahrnehmen zu dürfen, war erst ganz schön aufregend, aber letztendlich heilend.

Das Thema Haare ist ein generationsübergreifendes Frauenthema. Wenn wir bedenken, dass Hexen und Sklaven früher zur Strafe und als Demütigung gewaltvoll die Haare abgeschoren wurden.

Dass ich mir nun aus freien Stücken die Haare habe abrasieren lassen, heilt somit nicht nur mich, sondern auch meine weiblichen Ahnenreihe. Selbst heute hat das Haar in der Gesellschaft noch einen enorm hohen Stellenwert. Völlig überbewertet, wenn es nach mir geht. Aber auch diese Konditionierung/dieser Schatten wird sich in den nächsten Jahren sicher ins Licht transformieren.


Meine Haare sind schon ein Stück gewachsen und ich sehe zum ersten Mal ihre Naturfarbe. Ich hatte zwei Jahrzehnte den Ansatz wegen weißen Haaren gefärbt und bin gespannt, wie mein Afro bald aussehen wird (stracciatella-style:)). Ich kann mir aber auch gut vorstellen ein Jahr komplett ohne Haare in der Welt umherzuspazieren. Mal sehen, was sich in Zukunft für mich rund anfühlt. To be continued... Jetzt freue ich mich erst mal auf eine experimentierfreudige Zeit mit Tüchern und Hüten als Kopfschmuck in der kalten Jahreszeit :D


Meine Haarspende: Ich wollte meine Haare spenden und musste lange im Netz recherchieren bis ich etwas Stimmiges fand. In Deutschland gab es leider keine Organisation, die meine naturkrausen Haare haben wollte.

Meine Haare wurden sogar auf allen Seiten, die ich besuchte in der Liste als "nicht verwendbar" aufgeführt. Das hat mich sehr nachdenklich gestimmt! Schwarze Kinder freuen sich sicher mehr über eine Perücke, die ihrer eigenen Haarstruktur entsprechen. Falls Dir eine deutsche Organisation bekannt ist, die krauses Haar als Spende annimmt, dann lass mich das bitte in den Kommentaren wissen. Würde mich von Herzen gerne eines Besseren belehren lassen.

Letzten Endes fand ich die Organisation The Little Princess Trust, deren Homepage mich voll und ganz überzeugte.

Also schickte ich mein Paket versichert nach England. Hier der link zur Homepage:

https://www.littleprincesses.org.uk/donate-hair Ich hoffe, dass die Perücke mit meinem Haar einem Kind, dass an Krebs oder Alopecia erkrankt ist, ein Lächeln auf die Lippen zaubert. Herzlichst, Cynthia 16.01.2022 UPDATE: Meine Haare sind nun schon wieder 2 cm herausgewachsen. Ich hatte sie mir vor 2 Monaten nochmal komplett selbst abrasiert. Und nun dürfen sie wieder wachsen. Zudem habe ich mich für eine neue Haarfarbe entschieden. Das Graumelierte war dann doch noch nicht meins :)

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